Verfasst von: Nummer Neun | 18. Oktober 2009

Was ich im Internet nicht mehr lesen möchte

Manche Phrasen kann man ja nun langsam wirklich nicht mehr hören. Sprüche, deren Halbwertszeit schon längst abgelaufen sind, aber beharrlich ihren Platz in Internetforen oder Blogs verteidigen. Eine Auswahl.

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten Ja, Dieter Nuhr. Ja, der ist lustig. Aber ich möchte trotzdem nicht immer diesen Satz lesen müssen. Kann man die Meinung anderer nicht qualifizierter abwürgen? Muss das millionenfach wieder gegeben werden? (Google)

Ich kann gar nicht so viel (fr)essen, wie ich kotzen möchte Einer der Klassiker, um auf Missstände hinzuweisen. Lustig war der Spruch im Grunde genommen nie, lebte am Anfang aber noch von der Kreativität. Die ist aber mittlerweile raus gelutscht. (Google) (Nach Recherche bin ich dahinter gekommen, dass dieser Spruch eine Reaktion auf die Machtübernahme Hitlers war. Daher darf man den Satz ja eigentlich nicht mehr kritisieren, aber ich bleibe trotzdem dabei, da ich bezweifle, dass die Mehrheit derer, die das schreiben, die Herkunft der Aussage kennen)

Großer Sport/Tennis etc. Eine lobende Bemerkung. Hier hat sich Sportreportersprache seinen Weg in den Alltag gebahnt. Erntete am Anfang aufgrund des ungewohnten Kontextes einige Lacher, mittlerweile eigentlich nur noch ein Rohrkrepierer. Ausgepresst ist dieser Spruch schon längst, jetzt wird es Zeit, dass man ihn endgültig beerdigt. Und ein ganzes Einkaufszentrum darüber baut, damit man auch in 100 Jahren nicht mehr dran kommt. Danke. (Google Sport / Google Tennis)

R.I.P. Zum Schluß noch etwas, was mir besonders am Herzen liegt. Wann, um alles in der Welt, hat sich in der deutschsprachigen Internetwelt R.I.P. als Ausdruck von Trauer bei einem Sterbefall eingebürgert? Rest in peace? Da denke ich eher an Schwarzenegger mit einem Sarg in einem, mit einer großen Wumme im anderen Arm. Da ist die Schnittmenge zu pickeligen Internet-Nerds realtiv gering. Ruhe in Frieden. Ist das nicht cool genug? Läßt sich nicht so schön abkürzen? Wie groß soll die Trauer sein, wenn man die letzten Wünsche nicht mal mehr ausschreibt? (Google am Beispiel von Michael Jackson auf deutschsprachigen (!) Seiten)

Ich bin für die Einführung eines digitalen Phrasenschweins. Dem Tier, mit dem sich das DSF ein Denkmal gesetzt hat.

Lesen Sie das nächste Mal, warum mich die Frage was geht regelmäßig überfordert. Bis dahin eine schöne Woche.

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Responses

  1. Ich bin zwar grundsätzlich auf deiner Seite, kann mir aber den besserwisserischen Hinweis nicht verkneifen, dass RIP traditionell für requiescat in pacem steht, was doch eigentlich ganz hübsch und gar nicht schwarzeneggeresk klingt.

  2. Oh das ist wahr, an eine lateinische Ableitung habe ich da gar nicht gedacht.

  3. […] Oktober 2009 von :-: adiós :-: Dieser Gedanke kam mir, als ich dies gelesen […]

  4. Sehr schöner Beitrag. Ganz inhaltslos einfach mal Lob für die Idee.

  5. Mmmhh… ich glaube ich mag deinen Blog. Das wollt ich nur sagen. Schönes Wochenende 🙂


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