Verfasst von: Nummer Neun | 23. Februar 2010

Rien ne va plus – Ein Bericht

Wie die meisten guten Ideen ist auch diese Idee äußerst simpel: Per Zufall wird man mit seiner Webcam einfach mit irgendjemand anderen auf der Welt mit Webcam verbunden. Ein Fenster in die weite Welt. Die Rede ist von der Seite Chatroulette, die ich, neugierigerweise, mal ausprobierte.

Die Bedienung ist recht simpel, mit einem einzigen Klick geht es eigentlich schon los und man erhält die Webcam irgendeines anderen Teilnehmers (und davon gibt es meistens deutlich mehr als 20.000) auf dem Schirm. Und dann kann man per Chat oder Mikrofon miteinander kommunizieren. Oder auch nicht. Genauso schnell, wie das Bild kommt, kann es auch schon wieder weg sein: Mit <F9> schmeißt man den aktuellen Chatpartner raus (oder wird rausgeschmissen) und der nächste erscheint. Hier das Protokoll eines einstündiger Selbstversuches am späten Dienstagnachmittag – mit Screenshots, die ich an den entscheidenden Stellen anonymisiert habe. Also los geht’s.

Die meisten sitzen tatsächlich gelangweilt vor dem Rechner. Alleine oder in Gruppen. Aus allen möglichen Ländern (wenn man das mal vom optischen her beurteilen kann). Klicken aber jeden sofort weg. Es sei denn, ich bin schneller.

Manche sitzen mit der Gitarre vor der Webcam und spielen vor sich hin. Meine Bitte nach einem Oasis-Song bleibt erfolglos.

Überhaupt lässt die Interaktion mit anderen schwer zu wünschen übrig. Man freut sich ja schon, wenn man sich gegenseitig mal zu winkt. Besonders wenn gleich eine ganze Gruppe auf der anderen Seite steht.

Aber ab und an kommt es dann tatsächlich auch mal zum Austausch. Meine Strichliste sagt: Immerhin mit acht Leuten konnte ich schreiben, mit den meistens eher kurz. Dabei kamen sie auch China, den USA, Frankreich, England oder Deutschland. Eine längeren Austausch hatte ich nur mit dieser Dame aus Taiwan – 21 Jahre. Sie findet ihren Winter bei 16° recht hart.

Viel öfter kommt es jedoch vor, dass man auf nackte Haut trifft. Allerdings äußerst ungleich verteilt. Männer erwischt man dauernd, laut meiner Strichliste bin in dieser Stunde auf 16 männliche Geschlechtsorgane in allen möglichen Größen gestoßen, die teilweise auch grade bearbeitet wurden. Aber Frauen? Fehlanzeige.

Fazit: Es passiert nicht viel, man bleibt aber trotzdem dran. Der Vergleich mit dem berühmten Verkehrsunfall trifft es nicht ganz. Eigentlich ist es eher wie bei einer schlechten Soap: man will sehen, wie es weitergeht. Man spekuliert, dass da noch irgendwas spannendes passiert. Passieren muss. Immerhin langweilen sich da ja gut 20.000 andere Leute mit einem. Und so verfliegt die Zeit. Wer also etwas Ablenkung sucht, einfach mal ausprobieren.

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Responses

  1. Oh Hülfe! Das werde ich niemals nie anklicken!

    (Wollt erst schreiben: „Oh, das bin ja ich!“ Hatte aber Angst, dass irgendwer nicht verstehen würde, dass es ein Scherz ist. Deswegen: nein, niemals!)

  2. dann aber doch lieber Olympia! Das ist ja ganz schön… abgefahren. Und ein bisschen schaurig. Manchmal bin ich ganz froh, dass ich mich gewissen Dingen des Web 2.0 einfach verweigere.

  3. Übers Wochenende habe ich dann sogar tatsächlich Olympia geschaut! Immerhin so 2-3 Stunden täglich. Und bei meinen Eltern in HD gesehen! Hätte ich nicht gedacht, dass der Unterschied so deutlich auffällt. Da fallen diese verwackelten Webcambilder aber kilometerweit dagegen ab.

  4. Ich bin immer noch leicht traumatisiert 🙂


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