Verfasst von: Nummer Neun | 5. April 2010

Über Udo

Benjamin von Stuckrad-Barre. Hat ja seit seinem Debut Soloalbum bei mir einen kleinen Stein im Brett. Soloalbum kann ich immer wieder lesen. Könnte ich. Die Wahrheit ist: Ich habe es irgendwann mal verliehen, wahrscheinlich an irgendeine Frau, um ihr zu zeigen, was wirkliche Pop-Literatur ist und was nur Neon-Geschreibsel. Das Buch habe ich nicht mehr wieder bekommen. Und die Verfilmung ist Schrott, dabei bleibe ich. Trotz Nora Tschirner.

Deutsches Theater, seine erste Sammlung von kurzen Reportagen, fand ich dann nicht mehr ganz so gut. Auf Buchlänge waren seine Ideen sehr wiederholend, oft Variationen vom gleichen Reißbrett. Nun also Auch Deutsche unter den Opfern, mit gleichem Konzept. Die ersten Seiten waren ganz unterhaltend, auch wenn einem ab und an mal wieder der kleine, arrogante Schnösel entgegenspringt. Aber dann kam die Udo Lindenberg Geschichte.

Wenn er über irgendetwas schreibt, was ihn wirklich begeistert, dann merkt man das sofort. Dann blüht er auf und begeistert den Leser mit. Wie hier bei dieser Geschichte über das Comeback-Album von Lindenberg. Beschreibt ihn mit seinen Marotten und nimmt ihn dabei schützend in den Arm und liefert ihn nicht für billige Witze aus. Wenn er ihn als den besten deutschen songsingenden Geschichtenerzähler feiert, nickt man als Leser überzeugt und eifrig mit, auch wenn man im ersten Moment nur den Sonderzug nach Pankow und die Andrea Doria bewußt kennt. Und eigentlich eher die verrückten Geschichten im Kopf hat. Im Grunde passierte beim Lesen das gleiche mit einem wie beim Tod von Michael Jackson. Der Blick auf das Wesentliche, die Musik, wird wieder frei.

Und die Texte, sagt Stuckrad-Barre. Ja was ist denn mit denen? Ein paar hat er als Zitate mit eingebaut, da überzeugen sie nicht. Klingen beiläufig. Aber dann hört man sie auf youTube gesungen, da kommen sie flüssiger, lässiger, besser. Und man spürt den Wunsch, mehr zu hören. Mehr zu entdecken.

Aber als Einstieg vielleicht dann doch erst mal noch etwas bekanntes zum wiederentdecken: Alles klar auf der Andrea Doria. Und falls mir irgendwann im Hamburg mal jemand in einem Astronautenanzug entgegenkommt, dann weiß ich jetzt wer drin steckt.

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Responses

  1. hatte ich das schon erwähnt? ich glaube ich sagte es an dieser stelle bereits, dass ich den film auch großartig finde – weil niemand so schön „ben“ sagen kann wie nora.

  2. Jetzt wo du es sagst: Diese Meinung kommt irgendwoher bekannt vor 😉 Auch wenn ich das „Ben“ nicht mehr ganz im Ohr habe…


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