Verfasst von: Nummer Neun | 10. Mai 2011

Hundert Jahre Einsamkeit

Ich bin oft nicht grade der schnellste Leser. Und so kommt es, dass ich erst jetzt mit dem Buch fertig geworden bin, das ich eigentlich im Urlaub lesen wollte. Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel Garcia Marquez, dem wohl bedeutensten kolumbianischen Schriftsteller.

Viele Jahre später sollte der Oberst Aureliano Buendia sich vor dem Erschießungskommando an jenen fernen Nachmittag erinnern, an dem sein Vater ihn mitnahm, um das Eis kennenzulernen. (S. 7)

Das Buch erzählt die Familiengeschichte der Buendias und den Aufstieg und Fall des Dorfes Macondo, irgendwo im undurchdringlichen Hinterland Kolumbiens. Man erfährt von der Gründung des Dorfes durch Jose Arcadio Buendia, einem Abenteurer und Erfinder, den politischen Wirrungen unter seinen Söhnen, den Veränderungen und den Ausbeutungen der Stadt unter dem Einfluss der Industrie und schließlich dem Niedergang des Dorfes, als die Industrie – die Bananengesellschaft – wieder abreist. Dabei hat Macondo einige Katastrophen zu überstehen, wie die Schlaflosigkeit, die große Flut und schließlich die Ameisenplage. Und auch die Buendias stehen sich in jeder Generation immer wieder gerne selbst im Weg.

Der epische Stoff des Buches wird durch viele kleine Anekdoten und Geschichten zugänglich. Mit Hilfe der einzelnen Episonden ergibt sich schließlich das Gesamtbild der Geschichte Macondos im allgemeinen und der Geschichte der Buendias im speziellen. Wie man, abgeschnitten auf einem weißen Fleck der Landkarte, immer wieder versucht, der großen Welt hinter her zu laufen. Wie man sich durch die Bananengesellschaft zwar den Wohlstand in die Stadt holt, aber sich gleichzeitig auch von seiner eigenen Geschichte entfremdet und ausgebeutet wird. Und leer und gesichtslos zurück bleibt, wenn sie wieder abrückt.

Sie empörten sich über die lebenden Bilder, […] weil eine in einem Filmstreifen verstorbene und beerdigte Figur, über deren Unglück sie kummervolle Tränen vergossen, im nächsten Film quietschlebendig als Araber auferstand. Das Publikum, das zwei Centarios zahlte, um die Schicksalsschläge der Personen zu teilen, ertrug nicht den unerhörten Spott und zertrampelte die Kassenloge. (S. 257)

Die Geschichte wird jedoch nicht linear erzählt. Durch die Erzählung in einzelnen Episonden, springt man immer wieder hin und her in der Zeit. Die Familiennamen der Buendia tun ihr übriges dazu, den Leser zu verwirren. Die immer gleichen Namen der Männer in den verschiedenen Generationen verlangen höchste Aufmerksamkeit. Oder einen Stammbaum, den man im Idealfall hätte führen sollen.

Man muss also etwas aufpassen beim lesen, man muss sich für solch eine Stadtchronik interessieren und auch ein wenig auf Lateinamerika stehen. Wenn man das alles tut, hat man hier wirklich ein unterhaltsames Buch in der Hand, bei dem man wissen möchte, was noch passiert. Auch wenn es nicht immer ganz leichte Kost ist.

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Responses

  1. Hab es im Schrank, aber noch nicht gelesen. Muss ich mal bald anfangen!

  2. Zeit wird’s! Spätestens beim nächsten Südamerika-Aufenthalt 😉


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