Verfasst von: Nummer Neun | 9. November 2011

Schöne Grüße aus Bad Fucking

So, ich bin mal wieder mit einem Buch durch. Da es nicht mal 300 Seiten umfasste, ging es dieses Mal sogar relativ zügig. Es war das Buch Bad Fucking des Österreichers Kurt Palm, ein etwas skurriler Krimi. Ein typisches österreichisches Genre.

„Ein U-Boot?“ fragte Katja genervt. „Was ist denn das schon wieder für ein Scheiß“ „Ein U-Boot“, antwortete Philipp diensteifrig, „ist ein traditionelles Getränk aus unserer Gegend, bei dem ein Glas Schnaps in einer Halbe Bier versenkt wird.“ […] „Zuerst gibt es keinen Handyempfang und dann sollen wir statt Wodka-Cranberry ein Gemisch aus Bier und Schnaps saufen. Wir sind ja keine Proleten.“ (S. 90)

Im abgeschiedenen Bad Fucking, irgendwo in den Alpen, findet man den Einsiedler Vitus Schallmoser tot in seiner Höhle. Auf so etwas ist die kleine Gemeinde nicht vorbereitet. Wie ist er gestorben, wohin mit der Leiche? Aber das ist nicht die einzigste seltsame Begebenheit. Es gibt Erpressungen, die Innenministerin verschwindet spurlos, der Bürgermeister veruntreut die Gemeindekasse und die junge Cheerleader-Truppe bringt die Männerwelt auf Trab. Es braut sich was zusammen in Bad Fucking, grade jetzt, wo sich tausende von Aalen auf den Weg in das abgeschiedene Dorf machen.

Mal das positive zu Beginn: Das Buch lässt sich wunderbar in der Bahn lesen. Guter, flüssiger Schreibstil und durch die vielen Handlungsstränge passiert auch immer etwas. Trotz der vielen Personen kann man der Story gut folgen. Nur leider schafft es der Autor nicht, die vielen roten Fäden am Ende zu einem Teppich zusammen zu stricken. Dies scheint ihm sogar selbst bewußt zu sein, an zwei Stellen lässt er die Erzählung von einer Art Lektor unterbrechen, der manche Sachen wieder grade rücken will. Aber da er diese Meta-Ebene nicht konsequent durchzieht, wirkt das irgendwie verloren und unsinnig.

„Der Bürgermeister sah den Fleischhauer entgeistert an. „500 Euro? Ja, bist du denn vollkommen übergeschnappt?“ […] Pamminger stand auf und machte eine abwehrende Geste. „Das ist viel zu wenig. Du weißt ja gar nicht, was für einen Zirkus ich zu Hause habe. Meine Frau macht mir die Hölle heiß wegen der Leiche im Kühlraum.“ (S. 105)

Konsequent ist generell ein gutes Stichwort. Das ist das Buch nämlich nicht. An manchen Stellen will es vielleicht wie Tarantino sein, an anderen Stellen lebt es irgendwelche Altherren-Fantasien aus. Sehr schade, die Ideen waren teilweise gut, man kann es – wie gesagt – auch flüssig lesen, es befriedigt aber nur so viel wie schlecht gewürztes Fast Food: Für den Moment hilft es, auch wenn es stellenweise etwas fad ist, aber kurz darauf ist es vergessen und man hat schon wieder Hunger.

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Responses

  1. Das hatte ich zuletzt auch in der Hand.
    Dass ich mich dann doch für etwas anderes entschieden habe lag eben daran, dass es nicht so viele Seiten hat. Für den Urlaub sollte es ein dickeres Buch sein.

    Ach ja – Uboot gab es bei uns beim Schützenfest immer. Allerdings nicht mit Bier.
    Bei uns kam in ein großes Glas ein Gemisch aus Fanta und Korn. Das Uboot war ein Schnapsglas mit Bessengenever.
    Rückblickend eine echt klebrige, süße Angelegenheit, die die ein oder anderen Kopfschmerzattake hervorgerufen hat. 😦

    Aber mit damals ca. 16 Jahren macht man noch viel Sch*** mit… Wenn ich da an Korn-Brause denke… 🙂

  2. Für die S-Bahn war die dicke grade richtig. Wenn man mal schnell 10-15 Minuten lesen möchte, ist das Buch ganz praktisch.

    Uboote kannte ich aber nicht, dabei bin ich auch nicht in der Großstadt aufgewachsen 😉


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