Verfasst von: Nummer Neun | 4. März 2012

Damned United

David Peace kennt man durch die Romane rund um den Yorkshire-Killer, die vor einigen Jahren auch für das Fernsehen verfilmt wurden. Im gleichen Setting (Gegend, Epoche) hat er sich auch an einer anderen Thematik versucht: Die Geschichte des britischen Trainers Brian Clough.

Sie sind nicht mein Team. Nicht meins. Nicht dieses Team, und sie werden es auch niemals sein. Sie sind sein Team. Sein Leeds. Sein dreckiges, verficktes Leeds, und das werden sie immer sein. (S. 130)

In den 70ern übernimmt der britische Fußballtrainer Brian Clough den Erfolgsclub Leeds United, der in den letzten Jahren so ziemlich alles gewann, was es zu gewinnen gab. Viele Vorurteile erwarten ihn, Fans und Spieler sind gegen ihn und er eckt überall an. 44 wenig erfolgreiche Tage hält er durch, bis dieser Alptraum für ihn ein Ende hat.

Der auf wahren Fakten basierende Roman erzählt die Geschichte von Brian Clough. In zwei parallelen Handlungssträngen wird zum einen in Rückblicken seine Geschichte vor Leeds United erzählt, mit dem Ende seiner Profikarriere und den Beginn seiner Trainerlaufbahn bei Derby Country, mit denen er 1972 völlig überraschend Meister werden konnte, zum anderen sein 44-tägiges Gastspiel beim großen Leeds United. Brian Clough ist egozentrisch und ein Großmaul. Glaubt an seine eigene Stärke und verteidigt seine Teams in der Öffentlichkeit. Er ist Trainer und beliebter Experte im Fernsehen der 70er. Und er ist unbequem für seinen Vorstand und für den englischen Verband.

Sie sind dreckig, und sie keuchen. Das Training ist fast beendet, die Übungen sind fast erledigt. Die Sonne scheint immer noch, aber jetzt fällt der Regen. Der Himmel schwarz und blau, lila und gelb. Kein Regenbogen hier. Kein Lächeln. (S. 322)

Wenn man erst einmal geschluckt hat, dass man die Spielernamen der beiden Mannschaften niemals nie auf die Reihe bekommt, ist man angekommen in der Handlung und – etwas Fußballinteresse voraus gesetzt – will auch immer wissen, wie es weiter geht. Ein vergnügliches Gute-Laune-Buch ist es jedoch nicht, beide Handlungen laufen auf ein unschönes Ende hinaus. Dafür ist es jedoch nicht so unangenehm zu lesen wie Peaces Yorkshire-Reihe. Die Times meinte zwar, es ist wahrscheinlich der beste Roman, der je über Sport geschrieben wurde, so gut fand ich es allerdings nicht. Sicher ist es kurzweilig und interessant, es hat aber trotzdem mehr von einer Biographie als von einem Sportroman.

„Ich war noch nie in meinem Leben so überzeugt von etwas, wie von der Tatsache, dass ich die volle Unterstützung meiner Spieler habe. Dass die Spieler hinter mir stehen.“ Als ob ich krank wäre, als ob ich Krebs hätte und demnächst sterben müsste. aber niemand traut sich, es mir zu sagen… „Alles ist wunderbar.“ (S. 473)

Der Roman wurde 2009 als The Damned United verfilmt, mit Michael Sheen und Colm Meaney in den Hauptrollen. Gesehen habe ich ihn nicht, aber der Trailer macht für mich einen etwas fröhlicheren Eindruck als der Roman. Und hat Glasvegas im Soundtrack.

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Responses

  1. hab das Buch auch gelesen (auf Englisch) und muss sagen, dass ich es anstrengend fand – musste mich ein wenig durchkämpfen. Dieses Mantra-artige Wiederholen von bestimmten Sätzen fand ich ermüdend, auch wenn die Geschichte natürlich schon interessant ist. Da fand ich die Autobiographie von Geoff Hurst schöner zu lesen. Und ich werde mir definitiv Moritz Volz‘ Buch über seine England-Zeit zulegen, das ist mit Sicherheit lesenswert.

  2. Ja das mit den Wiederholungen… hatte vorher ja schon zwei andere Bücher von ihm gelesen, dort war es auch so. Vielleicht habe ich es deshalb nicht mehr so stark wahr genommen oder es mehr als persönliches Stilmittel gesehen.

    Mein Lieblingsfußballbuch ist ja immer noch „Das Wunder von Castel di Sangro“. Da geht es allerdings um einen Amateurverein in Italien.


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