Verfasst von: Nummer Neun | 1. Juni 2012

Slowenien Tag für Tag – Teil 3

Montag, 21.05.: Portoroz

Mein Hotel in Portoroz ist deutlich besser als das in Ljubljana. Moderner, ruhiger, und das Frühstück erst! Viel mehr Auswahl, es gibt frische Crêpe und Spiegeleier, kleine Kuchenpralinen, frisches Obst und ganz viel anderes Zeug! Und es ist so schön leer im Frühstücksraum! Zugegeben, dafür ist die Stadt bei weitem nicht so sympathisch. Und das Wetter heute viel schlechter. Immer wieder Regen, grauer Himmel, nicht schön.

Daher heute kein großer Ausflug. Statt dessen laufe ich einmal die Küstenlinie ab bis zum wenig spektakulären Yachthafen. Also wieder zurück, Geld am Automaten holen, etwas von der Salzschokolade kaufen und noch ein paar Postkarten, dann setze ich mich für einige Stunden in ein Cafe mit dem wunderbar einladenden Namen Cacao und schreibe meine Karten.

Bei dem Wetter sind nur wenige am Strand…

…aber auch das Cafe hat seine Reize

Den ganzen Nachmittag regnet es dann durch. Am Abend gibt es Pizza für mich, dieses mal aber mit einer regionalen Spezialität: Karster Schinken. Und weil ich schön aufgegegessen habe, reißt danach die Wolkendecke etwas auf und die untergehende Sonne kämpft sich mit ein paar Sonnenstrahlen durch.

Dienstag, 22.05.: Piran

Das Wetter heute ist nicht wesentlich besser, aber wenigstens trocken. Weiß-grauer Himmel bei mittleren Temperaturen. Nun ja, da muss man durch. Mit dem Bus fahre ich die paar Kilometer rüber nach Piran, die Fahrt kostet mich einen lächerlichen Euro.

Piran ist eine kleine Stadt, die in der Hochsaison – laut Reiseführer – tägliche doppelt so viele Touristen verkraften muss, wie sie Einwohner hat. Sie liegt auf einer kleinen Landzunge, die Altstadt ist praktisch auf drei Seiten von der Adria umgeben. Mein erster Weg führt mich (nach der Touristeninfomation) rauf auf die alte Stadtmauer, von der aus man einen tollen Blick auf die Altstadt hat. Ach wenn es doch dazu nur noch einen blauen Himmel geben würde!

Blick auf die Altstadt von Piran

Von hier aus gehe ich wieder zurück in die Innenstadt, an der großen Kirche vorbei. Die Altstadt besteht aus vielen kleinen richtig engen kopfsteingepflasterten Gassen, den Restaurants und Souvenirläden an der Küste und dem schönen zentralen Platz Tartinijev trg. Alles ist recht ruhig, das Publikum scheint mir heute noch etwas älter zu sein als in Portoroz. Aber egal, hübsch ist das hier trotzdem alles.

Der zentrale Platz der Stadt

Der letzte Zipfel der Altstadt

Auf dem Rückweg zum Bus besuche ich noch das kleine Piraner Seemuseum, das die wechselhafte Geschichte der Stadt zeigt: Von den Römern über die K&K Zeit mit vielen österreichischen Exponaten bis hin zur Jugoslawien-Zeit.

Um 15 Uhr bin ich zurück in Portoroz, kurz darauf setzt der Regen wieder ein. Nach dem Essen am Abend sitze ich in Jacke eingepackt auf dem Balkon meines Zimmers und lese mein erstes Buch auf dem Kindle zu Ende: Veronika beschließt zu sterben – ganz zauberhaft.

Mittwoch, 23.05.: Koper

Der letzte Tag in Slowenien! Und an dem muss ich nach Ljubljana zurück, um dort dann kurz vor Mitternacht meinen Nachtzug zu erwischen. Es wird also ein recht langer Tag.

Aber noch bin ich in Portoroz, plündere das Frühstücksbuffet und quetsche dann meine Sachen wieder in meinen Koffer. Dann auschecken und mit dem Bus weiter nach Koper. Dieses Mal habe ich keine Tour gebucht, die mir den Transfer erleichtert, dieses Mal stehen die öffentlichen Verkehrsmittel auf dem Programm. Um kurz vor 12 bin ich am Bahnhof in Koper, von hier aus fahren die Züge in die Hauptstadt zurück. Ich hole mir meine Fahrkarte (10 €) und entscheide mich für den spätesten Zug heute: Bis um halb acht habe ich Zeit. Meinen Koffer verstaue ich im Schließfach und laufe los in Richtung Zentrum, welches so ca. 15 Fußminuten vom Bahnhof entfernt liegt.

Koper ist deutlich lebhafter als Piran oder Portoroz. Hier ist auch ohne Touristen etwas los. Man sieht Schüler und Einheimische, die hier ihrem täglichen Leben nach gehen. Aber auch diese Stadt hat ihre Reize: Die Altstadt ist recht hübsch mit ihren kleinen Geschäften und schmalen Gassen. Dazu gibt es hier auch einen großen Industrie- und einen kleinen Yachthafen. Überall lassen sich in der Stadt Hinweise auf die alte venezianische Zeit finden. Und der zentrale Platz sieht nun wirklich so aus, als wäre er seit Jahrhunderten unberührt.

Der titov trg in der Mitte der Stadt

Der venezianische Löwe an einer Hausfassade

Mittagessen gibt es in einem kleinen Wirtshaus – Gnocci mit Gulasch. Und als ich da so sitze und in meinem Reiseführer blättere merke ich, dass genau dieses Wirtshaus dort sogar empfohlen wird. Am frühen Nachmittag mache ich mich auf dem Weg zum Bahnhof, auf halber Strecke hatte ich auf dem Hinweg ein großes Einkaufscenter gesehen, dort will ich die nächsten Stunden verbringen. Dummerweise ist dieses dann von innen gar nicht mal so groß, dafür ist das WLan frei. Außerdem hat es eine lustige Web-Adresse: tus.si – das kann man sich behalten.

Viel zu früh bin ich also wieder zurück an dem kleinen Bahnhof, wo ich mich nun die nächsten Stunden rumdrücken muss, bis der Zug bereit steht.

Koper Main Station

Der Zug ist dann kaum besucht, an den meisten Zwischenhalten passiert überhaupt nichts, so dass er pünktlich in der Hauptstadt eintrifft. Dort hole ich mir bei McDonalds – dem einzigsten, den ich im ganzen Land gesehen habe – noch eine kleine Mahlzeit und warte darauf, dass mein Nachtzug eintrifft.

Donnerstag, 24.05.: The night train is coming

Mit einer Verspätung von 20 Minuten trudelt der Nachtzug aus Kroatien ein, so dass es um kurz nach Mitternacht los geht.

Einen Platz im Liegeabteil habe ich gebucht. Es ist ein 6er Abteil mit jeweils 3 Betten übereinander. Mein Platz ist unten links. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt ein älterer Herr, über mir eine hübsche junge Slowenin. Eng ist es, für die Koffer ist kaum Platz. Der Schaffner sammelt Tickets und Pässe ein, beides gibt es kurz vor der Endstation wieder.

Richtig schlafen kann ich nicht. Die ersten paar Stunden höre ich Musik, dann versuche ich etwas zu dösen. Die Klimaanlage ist recht laut, wenn der Zug sich in die Kurve legt, spürt man das deutlich. Aber besser als die ganze Zeit zu sitzen ist es auf jeden Fall.

Der Zug holt die Verspätung unterwegs wieder auf und fährt um 6 Uhr in München ein. Ein Regebogen über der Stadt begrüßt uns. Und damit endet meine Reise auch schon wieder. Eine Woche in Slowenien – und es ging sehr schnell vorbei.

***

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Responses

  1. Willkommen zurück. Schade, dass das Wetter bei dir in den letzten Tagen nicht mitgespielt hat. Aber nach deinen Erzählungen und Bildern kommt Slowenien einladend rüber. Empfiehlst du es?

  2. Kann es wirklich nur empfehlen. Besonders die Hauptstadt hatte es mir angetan! Dazu noch der Ausflug zu den Höhlen… sehr toll.

    An der Küste gibt es auch ein paar hübsche Städte, aber als Badeurlaub taugt es da nur gering – ist allerdings schwer zu beurteilen, wegen Vorsaison war dort halt nicht so viel los.

  3. Aber gerade deswegen doch toll. 🙂 Ich scheue die Massen an Menschen. Deswegen hat mir damals Venedig überhaupt nicht gefallen. Ich fand es nur furchtbar. Tourist über Tourist. Von der Stadt selbst hatte man nichts. Vielleicht hätte ich mal in Mai oder so hinfahren sollen…


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