Verfasst von: Nummer Neun | 12. August 2012

Train Girl

So, noch eine Stunde, bis die Abschlußfeier beginnt. Mal schauen, ob ich bis dahin mit meinem Text fertig werde. Bin grade aus Frankfurt zurück gekommen und habe dort das Wochenende bei meinen Eltern verbracht. Lecker essen gewesen am Freitagabend, grillen gewesen am Samstagabend und heute mittag ein paar Stunden in Frankfurt selbst verbracht. Da war ich wirklich schon ewig nicht mehr. Römerberg, Mainufer, dazu die Skyline: Das ist doch immer wieder überraschend nett.

Aber um was es eigentlich geht: Hin und zurück bin ich natürlich mit der Bahn gefahren. Habe am Freitag extra ein paar Überstunden abgebaut, damit ich bereits am Nachmittag fahren konnte und schon zu einer vernünftigen Zeit zu Hause bin. Ich weiß ja nicht, was ihr so während der Bahnfahrt macht, aber man kann ja nicht die ganze Zeit nur aus dem Fenster schauen. Sondern man schaut sich auch mal die anderen Fahrgäste an.

In der Reihe vor mir saß eine junge Frau. Blond, hübsch, sommerlich angzogen und barfuß. Nennen wir sie mal Blondchen. Blondchen legte sich am Anfang gerne mal über die beiden Sitze. Anscheinend mit Musik im Ohr, denn von der Kontrolleurin war sie nur schwer anzusprechen, als sie das Ticket sehen wollte. Oder von den beiden anderen Fahrgästen, die dachten, sie hätten diese Plätze reserviert. Hatten sie aber nicht, sie waren im falschen Wagen, wie ihnen Blondchen dann freundlich und strahlend erklärte. Eine schöne Stimme hatte sie und sprach eloquent. Eigentlich war Blondchen also toll. Wenn sie nur nicht so laut telefoniert hätte!

Bestimmt eine ganze Stunde ging das Gespräch im Zug mit einem Freund. Den bat sie, wenn sie sich am Abend treffen würden, er solle ihr das Duschhandtuch mitbringen, das sie wohl das letzte Mal irgendwo vergessen hatte. Zusammen mit ihrem iPod. Diesem Freund unterstellte sie auch ein leichtes Alkoholproblem. Nein, nicht so schlimm, sie kann das psychologisch begründen. Er wäre halt immer so gerne in Gesellschaft und die Gesellschaft mag ihn. Also ist er dauernd unterwegs und wenn er unterwegs ist, trinkt er auch gerne. Dagegen kann man ja nichts sagen, aber das sollte man im Auge behalten. Wann war denn auch der letzte Abend, an dem er einfach mal zu Hause geblieben ist? Sie zum Beispiel, sie konnte es genau sagen. Sie war am Vorabend daheim und hatte das Beachvolleyball-Finale gesehen. Überhaupt mag sie ja Sport. Sie geht auch zum Fußball, Stehplatz, war letztes Jahr bei Schalke gegen Bayern im Fanblock. Aber ohne Fanausrüstung, ohne alles. Wird gehüpft, hüpft sie nicht, wird gesungen, singt sie nicht. Ein Fels in der Brandung nannte sie sich. Sie war auch schon im tiefsten Winter im Stadion, in der Allianz Arena. Mein Gott, war das kalt! Und was sie in der Bahn unterwegs ist! Unglaublich. München, Köln, Hannover, überall und nirgends. Aber sie hat es sich ja so ausgesucht, also will sie sich nicht beschweren. Aber wenn das mal mit der Bahn nicht passt und sie nachts irgendwo an irgendeinem Bahnhof warten muss, dann ist das schon sehr ärgerlich. Sie mag es auch, mit ihren alten Freunden wegzugehen, weil da macht mittlerweile jeder irgendwas anderes. Bei ihren Mädels vom Studium ist das nicht so. Die haben ja alle Medizin studiert und so sehen dann auch die Gesprächsthemen aus. Muss man sich ja nicht beschweren, aber das ist halt einfach so. An diesem Tag hatte ein Praktikant in ihrem Job im Krankenhaus Harlaching (oder Großhadern?) seinen Abschied gegeben. Es gab Kuchen, einen Fußballkuchen, also in Form eines Balles.

Wie gesagt: Eine ganze Stunde lang Unterhaltung für umsonst. Und das war nur der Teil, den ich mir behalten habe! Ich weiß gar nicht, ob der andere groß zu Wort gekommen ist. Ich war jedenfalls froh, als Blondchen das Gespräch beendet hatte und sich dann mit ihrem Laptop beschäftigte (Solitär).

Die Rückfahrt heute bot keine optischen oder unterhaltenden Ablenkungen. Dafür noch ein Foto von heute: Das Mainufer in Frankfurt.

Und damit rüber nach London zur Abschlußfeier.

PS: Blondchen, falls du das hier liest – melden darfst du dich natürlich trotzdem mal!

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Responses

  1. Ich bin blond aber ich war es nicht! 🙂 Deswegen höre ich immer Musik! Mich nervt so gelaber ganz oft…ich habe das Gefühl das Menschen, die ind er öffentlichkeit telefonieren, nur darauf hoffen das andere Menschen zuhören. Damit es dann auch total toll ist, übertreiben sie mri ihren storys! Mich hätte Blondchen wahrscheinlich total genervt, aber schön das sie dich amüsiert hast 🙂


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